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2017/09/22

Keston Cobblers Club - MUZclub Nürnberg (14.09.2017)

"Kennt die jemand von euch?", fragte Dirk von Flockes Plattenkiste in die Runde. Nie gehört, dachte ich. Doch schnell war mein Interesse geweckt als ich die Beschreibung des Veranstalters las:
"Was den Keston Cobblers' Club ausmacht? Das ist etwas ganz Spezielles, etwas Unverwechselbares. [...] Es ist dieses ganz bestimmte Gefühl, das sich in dir breit macht, wenn du diese Band live erlebst. [...] Ihre auf Folklore basierenden Songs, die gekonnt mit modernen Sounds vermischt werden, machen diese Band zu einer unglaublichen Liveband." (MUZclub)
Die Erwartungshaltung war also hoch, habe ich doch schon viele fantastische Live-Bands erlebt und auf Herzklangbar darüber berichtet. Die Neugier, ob meine Erwartungen erfüllt werden könnten, trieb mich an und so fand ich mich an einem Donnerstag Abend Mitte September pünktlich um 20:30 Uhr im MUZclub wieder. Viel Publikum hatte sich vor der Bühne noch nicht versammelt als Julia Laura als Vorband die Bühne betrat. Eine starke Stimme, die es sich lohnt im Hinterkopf zu behalten. Eine gute halbe Stunde stellte sie ihre Songs auf der Gitarre vor. Danach folgte einer dieser lästigen - ja, ohne Begleitung empfinde ich es so - Umbaupausen ohne Umbau.

Kurz nach halb zehn - der Raum hatte sich inzwischen gut gefüllt - kam der Keston Cobblers' Club von draußen rein: Vier Männer und eine Frau versammelten sich an und zwischen den zahlreichen Musikinstrumenten. Unwillkürlich erinnerte ich mich an einen meiner ersten Besuche im MUZclub: 2009 bei Billie the vision and the dancers waren vermutlich noch mehr Bandmitglieder auf der Bühne, doch die bunte Vielfalt an Musikinstrumenten war ähnlich beeindruckend.

Sängerin Julia übernahm mehr oder weniger das Entertainment zwischen den Songs, wobei ihre männlichen Mitstreiter immer wieder dazwischen riefen und ihren Kommentar abgaben. Sehr schnell zeigte Julia, dass sie auch ein paar Worte auf deutsch gelernt hat: "Wir haben ein neues Song." Das Publikum half liebevoll bei der korrekten Übersetzung. Nach dem neuen Lied klärten ihre Bandkollegen auf, dass das Lied bereits fünf Monate alt sei und sie gestand ihr Talent, sich keine Daten merken zu können. Authentisch, witzig, gut gelaunt - mir gefiel das Quintett richtig gut.

"Complements for free" und "Freie Liebe" warfen sie in den Raum, fragten "Möchtet ihr tanzen?", schlugen vor, das dies jeder mit seinem Nebenan tun sollte und tanzten den Paartanz auf der Bühne vor. Auch zum Mitsingen animierten sie - mit einem "Vorsicht" erinnerte Julia das Publikum an ihren Einsatz und lobte es anschließend mit "Gut gemacht". Sie coverten "Graceland" von Paul Simon, und immer wieder kam die Tuba - neben vielen anderen Instrumenten - zum Einsatz, welche für mich besonders herausstach und mich in den Bann zog. Ja, ich gebe zu, in der Konzertankündigung wurde nicht zu viel versprochen. Der spontane Besuch hat sich definitiv gelohnt.

2017/09/03

Gisbert zu Knyphausen - Sparrenburg Bielefeld (20.08.2017)

2 Übernachtungen in der Stadt, die es nicht gibt: 125 Euro. 
2 Pastel de Nata und ein Espresso (fast) wie in Lissabon: 6 Euro. 
1 Sonnenaufgangskonzert auf der Sparrenburg mit Gisbert zu Knyphausen und meinen beiden besten Männern: Unbezahlbar.

Dialog des Tages: "Das sollten wir öfter machen." "Uns morgens um 6 Uhr bei 12 Grad auf die nasse Wiese legen?" Ich sag' ja, ich sag ja, ja, ich will.

Dieser fast schon lyrische Beginn beschreibt sehr passend die besonderen Umstände dieses Konzerts. Mitte April erfuhr ich bereits von dem geplanten Sonnenaufgangskonzert von Gisbert zu Knyphausen auf der Sparrenburg in Bielefeld. Der erste Gedanke war: "Da muss ich hin." Doch schnell meldete sich die Vernunft zu Wort: Die Distanz zwischen Bielefeld und Fürth war einfach zu groß, niemand schien so verrückt wie ich eine nächtliche Tour in Erwägung zu ziehen. Dennoch rief ich immer wieder die Website des Veranstalters auf, und überlegte wie es doch realisierbar wäre.

Laut dem Veranstalter "Bunker Ulmenwall" war der Eintritt kostenlos, jedoch dürfe nur einer begrenzten Personenanzahl Einlass gewährt werden. Um sich Zugang zum Konzert zu sichern, hatte jeder - ob Einwohner von Bielefeld oder nicht - die Möglichkeit an einer Verlosung teilzunehmen. Am 10. Juli 2017 wurde das Formular freigeschaltet und was soll ich sagen: Ja, natürlich habe ich mich registriert. Denn ich hatte einen Deal mit meinem Mann ausgemacht: Würde das Auswärtsspiel seines Heimatvereins auf einen Freitag oder Samstag gelegt werden und wir Karten für das Sonnenaufgangskonzert gewinnen, dann würden wir ein Wochenende in Bielefeld verbringen. Sollte einer dieser Faktoren nicht zutreffen, so würden wir Zuhause bleiben. 

Bald war klar: Der FSV Zwickau würde am Freitag gegen Meppen spielen. Immer wieder aktualisierte ich die Website des Bunker Ulmenwall, um herauszufinden, ob die Gewinner schon benachrichtigt wurden. 9 Tage vor dem Konzert öffnete ich mein E-Mail-Postfach und siehe da:

LIEBER FRÜHAUFSTEHER, NACHTSCHWÄRMER ODER SONNENTÄNZER!

Du hast zwei Freitickets für das Sonnenaufgangskonzert mit Gisbert zu Knyphausen am 20. August 2017 auf der Sparrenburg Bielefeld gewonnen und erhältst freien Eintritt zur Veranstaltung!

Was für ein Glück. Auf der Facebookseite wurde dann noch weiter kommuniziert, dass kein - wie ursprünglich geplant - spontaner Einlass gewährt werden könne, da die Nachfrage zu groß war. Diese Änderung der "Spielregeln" führte bei vielen Fans zu großer Enttäuschung. Doch ganz ehrlich: Wenn ich fest eingeplant habe nach Bielefeld zu fahren, weil ich unbedingt zu diesem Konzert auf der Sparrenburg möchte, dann nehme ich wenigstens an der Verlosung teil, um die Chance auf einen sicheren Einlass zu haben. Für mich ist die Sicherheits-Entscheidung der Veranstalter angesichts der Nachfrage von über 1500 Besuchern absolut nachvollziehbar.

Auch unabhängig vom Konzert hat sich das Wochenende in Bielefeld mehr als gelohnt: Am Freitag hatte ich Gelegenheit, Freunde vom Studium nach über drei Jahren im Nichtschwimmer wiederzusehen. Samstag schlenderten wir gemütlich über den Wochenmarkt, kamen an der Geniale am Rathaus vorbei und tranken leckeren Kaffee im Coffee Store. Um 13 Uhr konnten wir dann unsere Freitickets am Bunker Ulmenwall abholen, denn nur damit würden wir Zutritt erhalten. Meiner Meinung nach war das wunderbar organisiert: An 4 Tagen hatten die Gewinner zu arbeitnehmerfreundlichen Zeiten die Möglichkeit die Tickets abzuholen, wodurch der Einlass Sonntag früh relativ flüssig voran ging.

Aus der Innenstadt liefen wir durch den Wald in den Heimat-Tierpark Olderdissen. Ein Angebot für die ganze Familie - unabhängig vom Geldbeutel, denn im Gegensatz zu anderen Tiergärten ist der Eintritt hier kostenlos. Wir verbrachten die meiste Zeit mit unserem Wirbelwind und Freunden aus Dortmund am Spielplatz. Ein paar Tiere konnten wir auch beobachten, besonders die Ziegen ließen sich im Streichelzoo sehr geduldig von unserem Sohn nach seiner Regel "Eins nach dem anderen" füttern. Zurück in die Stadt ging es mit dem Bus, wo wir glücklicherweise in der Kartoffelbar landeten. Dort schien grad eine Familienfeier stattzufinden, und unser Zweijähriger mischte sofort in der Spielecke bei den anderen Kindern mit, sodass wir recht entspannt zu Abend essen konnten. Zum Abschluss suchten wir vor dem Regen noch Zuflucht im Café Alfama wo uns der Chef persönlich warme Pastel de Nata servierte und unser Sohn durch das Restaurant tanzte.

Viel später als geplant, landeten wir im Bett im Charly's House, schliefen unruhig - ich aus Angst zu verschlafen, mein Mann vielleicht eher aus Angst ich würde es nicht tun. Ja, so wirklich konnte ich ihn bisher noch nicht von der Musik überzeugen. Dennoch standen wir beide bereitwillig auf als kurz vor fünf der Wecker klingelte. Mein Sohn durfte noch ein bisschen in der Trage vor sich hin schlummern, während wir uns auf den etwa halbstündigen Weg zur Sparrenburg machten. Als wir den Niederwall entlang liefen, war er dann plötzlich da, dieser magische Moment: Gisbert's unverwechselbare Stimme erklang mitten durch die Dunkelheit von der Sparrenburg hinunter zur menschenleeren Hauptstraße - wie im Traum lauschten meine Ohren dem Soundcheck.

Nach dem nächtlichen Spaziergang auf die Sparrenburg - meine Kondition wurde selten so früh am morgen auf die Probe gestellt - gesellten wir uns pünktlich halb sechs zu der Menschenschlange vor dem Einlass. An dieser Stelle nun tatsächlich ein Kritikpunkt an die Organisation. Bestimmt gibt es eine nachvollziehbare Erklärung für die Verzögerung, doch ganz ehrlich: Den Einlass um 05:30 Uhr ankündigen, den Beginn um 6 Uhr und die Leute dann über eine halbe Stunde vor der Tür warten lassen - ist um diese Uhrzeit echt nicht witzig. Hätte man doch gut eine halbe Stunde versuchen können länger zu schlafen, wenn man gewusst hätte, dass das Konzert sogar erst halb sieben beginnt. Restkarten, die nicht abgeholt wurden, waren an einem kleinen Zelt neben dem Einlass auch noch verfügbar, sodass letztendlich doch noch wenige Spontanbesucher die Chance hatten dabei zu sein, und die vorgeschriebene Kapazität der Stadt Bielefeld bis auf den letzten Platz ausgefüllt wurde.

Und dann saßen wir da. Auf unseren Picknickdecken. In der Kälte, leider nicht warm genug angezogen, nicht gut genug mit Decken ausgestattet, dafür mit Muffin und Kaffee in der Hand. Am 20. August hätte man sich wahrlich einen wärmeren Sonnenaufgang ausgemalt, doch von dem Moment an als Gisbert zu Knyphausen die kleine Bühne betrat, konnte ich die Kälte für knapp eineinhalb Stunden ein wenig vergessen. "Mein Name ist Gisbert zu Knyphausen." Wenn ich nur seine Stimme - ungekünstelt und bescheiden - höre, wird mir schon ganz warm ums Herz. Wenn er dann noch beginnt auf seiner Gitarre zu spielen und diese berührenden Texte zu singen, die einfach nur unter die Haut gehen, ist es ganz um mich geschehen. Beeindruckend hat mich an diesem Sonntagmorgen noch jemand: Karl Ivar Refseth begleitete Gisbert am Vibraphon und verlieh den mir bekannten Liedern - insbesondere Dreh dich nicht um - auf diese Weise einen neu- und einzigartigen Klang.

Zwischen den Liedern erzählte Gisbert nicht viel, jedoch mehr als ich von den vergangenen Konzerten gewohnt war. Er kommentierte das Wetter ("Jetzt fängt es auch noch an zu regnen. So eine Scheiße. Wo ist der Sonnenaufgang, der mir versprochen wurde?"), seine Textpatzer ("Vorhin war ich noch so wach.") und seine Liedauswahl ("Zwei Trennungslieder hintereinander..."). Neben seinen eigenen Songs sang er drei Lieder, die er zusammen mit Nils Koppruch als Kid Kopphausen veröffentlicht hatte. Bei Das Leichteste der Welt war ich gespannt wie er solo am Ende das Schlagzeug und den Bass erzeugen würde, wartete darauf, dass der Vibraphonist wieder dazu kommen würde - aber nein, Gisbert hat die verschiedenen Instrumente genial mit seiner Gitarre imitieren können, und sang noch eine Strophe auf Englisch, aus der ich nicht raus hörte, ob es sich um ein Cover handelte. Einen eigenen Song auf Englisch bot er mit Teheran ebenfalls dar - diesen hatte er im Zuge seiner Reise mit dem Goethe Institut geschrieben. Mit Durchreise coverte er einen Song von Nils Koppruch, der im Oktober 2012 verstorben ist. 

Viel zu früh kündigte er den letzten Song an. Auch wenn noch Zugaben folgten, war es mir persönlich ein zu kurzer Querschnitt durch seine drei eigenen Alben und das von Kid Kopphausen. Aber hey - mal unabhängig von den Kilometern, die wir zurückgelegt hatten und den dadurch entstandenen Kosten - der Eintritt war frei und somit erlebten wir definitiv ein unbezahlbares Konzert. Auf Tour hätte ich wohl schon den Anspruch, einige mehr Lieder aus den ersten Alben zu hören. Gleichzeitig bin ich neugierig auf das dritte Album, das Ende Oktober veröffentlicht wird. Denn besonders beim letzten Lied über einen Mittwoch kurz vor dem Herbst, kam wieder durch, was ich an Gisbert so schätze: Er schafft es mich mit seinen Worten voller Poesie auf eine Reise zu nehmen - zu den tiefgründigen Geschichten, die er erzählt.

2017/08/07

Faber & Fiva - Bardentreffen Nürnberg (28.-30.07.2017)

Letztes Jahr fiel das Bardentreffens für mich leider aufgrund eines mehrtägigen Krankenhaus- Aufenthalts aus. Ein Grund mehr, dieses Jahr ein paar Highlights mitzunehmen. Die Gesundheit machte uns Freitag fast wieder einen Strich durch die Rechnung, doch zumindest ich konnte am Abend noch ein paar Kräfte sammeln, um doch noch nach Nürnberg zu fahren.

Mit unserem Wochenend-Besuch Dirk von Flockes Plattenkiste wollte ich mich am Sebalder Platz treffen. Leichter gesagt als getan: Ich war überrascht wie voll die Stadt war. Am Hauptmarkt, wo grad die Red Hot Chili Pipers zu spielen anfingen, kam ich kaum vorbei. Am Sebalder Platz standen auch schon Massen vor der Bühne und Dirk meldete seinen Standpunkt natürlich genau auf der anderen Seite. So versuchte ich mich durch die Menschenmenge zu mogeln und erlebte den Beginn von FABER mittendrin. Sollte ich diesen perfekten Blick auf die Bühne aufgeben? Ja! Denn allein ist es nur halb so schön. Wenn schon, dann wollte ich das Konzert zusammen mit Dirk erleben. 

Nach den ersten zwei Songs hatten wir uns dann endlich gefunden. Faber war pünktlich halb zehn mit seiner Band auf die Bühne getreten und bereits nach einer viertel Stunde vermeldete ich den Daheim-Gebliebenen "Sehr, sehr geil". Vom Bühnenbild über die Akustik, bis hin zu seiner Bühnenpräsenz und markanten Aussprache - es passte einfach alles. Während er für eine Zigarettenpause hinter die Bühne verschwand, wusste seine Band diese Zeit bestens instrumental zu überbrücken. Als er wieder kam vermutete ich fast schon das letzte Lied, doch weit gefehlt. Stattdessen bedankte er sich bei den Veranstaltern dafür, länger spielen zu dürfen. Eigentlich war das Konzert nur für eine Stunde angesetzt. Da er laut Programmheft aber der letzte auf dieser Bühne war, entschied er ein volles 90 Minuten Konzert durchzuziehen. 

Für mich klang es als hätte Faber die längere Spielzeit selbst so festgelegt ohne sich mit dem Veranstalter abzustimmen. Das passt zu Faber - der einfach alles ein bisschen anders macht, sich nicht an strikte Regeln hält und nicht nur mit seinen provokanten Texten gegen den Strom schwimmt. Definitiv ein würdiger Vertreter des diesjährigen Mottos beim Bardentreffen: Gegenwind. Auf das Theater rund um die Zugabe ließ er sich ein, weil das wohl eine "Tradition auf Popkonzerten" sei. Dem Publikum machte er ein wunderbares Kompliment: "In Bayern feiert man gut, aber in Franken feiert man besser." Auch ich war wieder mal begeistert vom Nürnberger Publikum, das sich voll und ganz auf die Musik von Faber einließ, zumindest in unserem Umkreis nicht schwatzte sondern aufmerksam den Texten lauschte, mitklatschte und tanzte.

Ein wenig Wehmut überkam mich als ich die Tragemamas mit ihren schlafenden Babies sah oder das wild zu Faber tanzende Kleinkind: Meinem Sohn hätte es wohl auch gefallen. Mir fehlte an diesem Abend jedoch die Kraft mich mit ihm durch die Menschenmassen zu kämpfen. Zumal ich mich dann hätte weniger auf die Musik konzentrieren können. Dafür verbrachten wir dann den Samstag gemeinsam in der Stadt. Wir begannen den Tag um 15 Uhr mit einem Kinderkonzert von Tony Geiling & das Wolkenorchester im Kulturgarten. Das war genau das Richtige für meinen 2-Jährigen, wobei die Aufmerksamkeitsspanne nach einer halben Stunde vorbei war.

Weiter ging es dann zum Lorenzer Platz, wo Nick & June auftreten sollten. Leider in anderer Besetzung als ich sie vor drei Jahren in der Kofferfabrik gesehen hatte. Die neue Frontfrau neben Nick konnte mich nicht überzeugen, keine Ausstrahlung, so emotionslos - während er weiterhin auf der Bühne strahlte. Vielleicht ist dieser Kontrast ja gewollt. Die Musik, die ich eher nebenbei verfolgte, gefiel mir wieder - die Akustik empfand ist jedoch als verbesserungswürdig.

Danach liefen wir einmal um die Lorenzkirche herum, wo wir ein paar Straßenkünstlern lauschten - das was das Bardentreffen eigentlich ausmacht und was ich nächstes Jahr gern etwas intensiver erleben möchte. Pünktlich zum Auftritt von The Lasts trafen wir uns wieder mit Dirk am Lorenzer Platz. Sie erinnerten mich irgendwie an die späte Kate Nash oder auch Gurr. Definitiv eine ansprechende Bühnenpräsenz. Manche Lieder konnte man gut hören, manche waren mir zu trashig. Deshalb entschied ich mich nach einer Weile lieber noch ein wenig durch die Straßen zu ziehen...

... eine Nebenstraße weiter kam mir eine Band doch sehr bekannt vor: zufällig hatte ich die Boat Shed Pioneers entdeckt. Was für ein Glück! Ich hatte mir so gewünscht, sie zu sehen - letztes Jahr verpasste ich sie krankheitsbedingt sowohl bei Folk im Park als auch beim Bardentreffen. Erst vor ein paar Monaten hatte ich Gelegenheit sie kurz im Rahmen des Gostenhofer Kneipenfestival Bierchen und Bühnchen zu sehen. Sie nun als einer der vielen Straßenmusiker des Bardentreffens in einer kleinen Gasse zu erleben, war für mich das Highlight am Samstag. Nach einer ausgiebigen Pause, die wir für ein Abendessen im Admiral nutzten, spielten sie ein weiteres Set. Für uns war es trotzdem langsam an der Zeit heim zu gehen - jedoch nicht ohne diesen Ohrwurm im Gepäck:
"Everything’s, everything’s alright in the end
And if it’s not alright it is not yet the end."
Ein ganzer Tag ist bei den Menschenmassen einfach doch irgendwann anstrengend - mit und für Kleinkind. Deshalb entschied ich mich am Sonntag auf das Nachmittagskonzert von Sarah Lesch zu verzichten - ein Kindergeburtstag im Wald war bei gut 30 Grad einfach die bessere Alternative für mich und meinen Sohn. Erst am Abend machte ich mich dann auf den Weg zum Abschlusskonzert des diesjährigen Bardentreffens: Fiva & JRBB.

Diesmal klappte die Verabredung mit Dirk recht unkompliziert und zehn Minuten vor geplantem Konzertbeginn hatten wir uns Stehplätze mit gutem Blick auf die Bühne der Insel Schütt gesichert. Die Jazz Rausch Big Band schien bereits vollständig und stimmte die Instrumente. Das klang schon gut und ich war optimistisch, dass das Konzert pünktlich um Zehn beginnen würde. Als dies 20 Minuten später noch immer nicht der Fall war, machte sich langsam Unruhe breit. Jede Minute, die das Konzert später beginnen würde, würde schließlich von der maximalen Spieldauer abgezogen werden, die aufgrund der Sperrstunde nicht verhandelbar war. Mein anfänglicher Optimismus wurde zudem von der Sorge eines erneuten Unwetters, wie wir es am Nachmittag erlebt hatten, abgelöst.

Irgendwann kam eine der Veranstalter auf die Bühne, entschuldigte sich für diesen heftigen "Gegenwind" aufgrund technischer Probleme beim 41. Bardentreffen. Unter dessen verließ die Jazz Rausch Big Band die Bühne und der Unmut im Publikum wuchs. Würde es sich lohnen zu warten? Ich nehme die Antwort vorweg: Ja! Um 22:45 Uhr trat die Veranstalterin erneut auf die Bühne und versprach, dass Fiva nun auf die Bühne kommen würde. Nach einem - für meinen Geschmack - viel zu langen instrumentalen Intro war sie dann da, entschuldigte sich, schien selbst bedrückt, aufgrund der technischen Probleme das erste Mal seit 20 Jahren ohne DJ Radrum auftreten zu müssen und versprach, dass nun die "beste halbe Stunde des Bardentreffens" beginnen würde.
"Gib mir die Hand und wir spring zusammen. Eins, zwei, drei.
Das Beste ist noch nicht vorbei."
Sie sollte recht behalten. Mit dem Wissen, dass aufgrund der Sperrstunde um 23:15 Uhr alles vorbei sein würde, gaben Fiva & JRBB alles. Fiva schaffte es den Unmut des Publikums in Begeisterung zu verwandeln. Es herrschte von einer Sekunde auf die anderen eine so gute Stimmung als müsse man jetzt einfach alles aus dieser halben Stunde rausholen. Und vor allem dem Regen trotzen, der pünktlich zum späten Beginn angefangen hatte und immer stärker wurde. Vom Gewitter in der Ferne ließ sich auch niemand beeindrucken, was zählte war das Hier und Jetzt.
"Raus in den Sommer, es wird früh genug kalt. (...) 
Ich will einen Sommer lang nut tanzen."
Auf Ansagen verzichtete Fiva - dafür sei einfach keine Zeit, und nach zwei Liedern kam eine gute Nachricht: DJ Radrum war startklar. Ich persönlich hätte ihn nicht zwingend gebraucht, fand ich das Zusammenspiel von Rap und Orchester schon beeindruckend genug. Der Typ an der Percusssion strahlte auffallend gute Laune aus. Doch ohne DJ scheint wohl doch irgendwas zu fehlen.

Als Fiva das letzte Lied ankündigen musste, gab sie zu, dass ihr Herz gerade zerfetzen würde. Um die berechtigten Buh Schreie zu vermeiden, versprach sie, nächstes Jahr wieder zu kommen. Ich bin gespannt, ob sie dieses Versprechen einlösen kann und freue mich nun erstmal auf ein komplettes Konzert im November im E-Werk Erlangen. Denn Fiva hat es in dieser halben Stunde definitiv geschafft mich davon zu überzeugen, dass sich ein Konzert von Fiva & JRBB mehr als lohnt.



2017/08/05

Folk im Park - Marienbergpark Nürnberg (23.07.2017)

Mein drittes Mal bei Folk im Park. 2013 mit meinem Freund und Dirk von Flockes Plattenkiste. 2015 mit meinem Freund und Baby. 2017 nun mit Ehemann und Kleinkind. Letztes Jahr blieb mir dieses wunderbare Festival aufgrund eines Unfalls verwehrt. Wie sehr wünschte ich mir deshalb dieses Jahr unbedingt dabei zu sein. Weniger des Line-Up wegen, viel mehr wollte ich diesen besonderen Zauber zwischen Folk und Kinderanimation mit meinem inzwischen 2-Jährigen musikbegeisterten Sohn erleben. Wieder einmal hat die Vorfreude mir nicht zu viel versprochen.

Als wir kurz nach Zwei durch den Einlass gingen - mein Mann bekam ohne Probleme noch ein Ticket an der Tageskasse - spielten bereits Folk's worst nightmare. Ich fühlte mich an die Tour of Tours erinnert, haben sich doch auch hier mehrere Künstler zu einem Musikprojekt zusammengeschlossen. Gewöhnlich spielen die lokalen Bands immer als Erstes - in diesem Fall hätten sie wunderbar auch am Ende gepasst. Nach ein paar Bier würden die Lieder in der Dämmerung vielleicht doch noch etwas besser wirken. Was wie Kritik klingt, soll eigentlich ein Kompliment sein.

Aber der Reihe nach: Zunächst suchten wir uns einen Platz für unsere Picknickdecke. So nah am Kinderbereich waren wir noch nie und so wenig Zeit wie in diesem Jahr haben wir noch nie an unserem Platz verbracht. So ändern sich eben die Prioritäten. Unser Sohn entdeckte sofort das Bobbycar, wenig später die riesigen Lego Steine, den Maltisch, Rutsche usw. Langeweile konnte nun wirklich nicht aufkommen. Auch zwischen den Umbaupausen auf der Hauptbühne wurde Programm auf der Kinderbühne geboten: Zweimal traten Ben & the Sunshine Boys auf, sangen deutsch-englische Kinderlieder zum Mitmachen. Den Spaßkoffer Eichi werden wir so schnell auch nicht vergessen. Lief unser Sohn doch kurz vor dem Höhepunkt der Show vor der Bühne herum, während Eichi tiefenentspannt blieb: "Nimm dir die Zeit, die du brauchst."

Mein musikalisches Highlight trat bereits als zweiter Programmpunkt auf der Hauptbühne auf: Burkini Beach. Vor einigen Wochen hatte ich ihn auf egofm entdeckt und war begeistert als ich den Namen mit Folk im Park in Verbindung bringen konnte. Mich erinnerten seine berührenden Songs an Conor Oberst / Bright Eyes. Während seines Auftritts blieb ich mit geschlossenen Augen auf unserer Decke liegen - ein Genuss. Was für ein perfekter Festivaltag mit der Familie.

Der Rest des Tages verflog nur so. Ich schaute nicht auf die Uhr, wusste nicht wie lange wer spielte, wann der nächste Auftritt war. Die Zeit schien keine Rolle zu spielen, wir verbrachten einfach einen entspannten Nachmittag bei guter Musik, die wir mal mehr mal weniger aufmerksam verfolgten. Die Organisatoren, die jeden Künstler ankündigten, ließen es sich nicht nehmen zu der Besonderheit des diesjährigen Folk im Park Stellung zu nehmen: Das Line-Up der Herren. Während der eine eine Sitzgruppe zur Diskussion anbot, betonte der andere, dass die Qualität der Musik doch im Vordergrund stünde - und die war auch ohne weibliche Unterstützung definitiv geboten:

Zwar gefiel uns der Neuseeländer Marlon Williams weniger gut, doch der Niederländer Kim Janssen traf dann wieder eher unseren Geschmack. Charlie Cunningham war auch echt gut, lud mit einem Cover sogar zum Mitklatschen ein - mein Mann fand es irre entspannend zu seiner Musik das Jonglieren mit dem Diabolo zu üben. Nick Mulvey bildete einen schönen Abschluss (auch wenn Folk's Worst Nightmare an dieser Stelle sicher auch noch mal Laune gemacht hätten) - inzwischen brach die Dunkelheit ein und der Konzertabend endete kurz nach zehn. (Anschließend wurde noch der Film "Once" gezeigt, wir entschieden uns jedoch heim zu fahren.)

Neben der Vielfalt an kulinarischen Angeboten und den milden Temperaturen (trocken, windig, nicht zu warm), war ich wieder mal begeistert von all dem, was Folk im Park ausmacht: All die entspannten Menschen - ja, die Eltern und Kinder eingeschlossen. Mit gutem Gewissen barfußlaufen, weil keine Scherben rumliegen. Keine Taschenkontrollen und sich trotzdem sicher fühlen inmitten dieser friedlichen und entspannten Atmosphäre. "Magisch", trifft es ganz gut.

Eva Croissant - Wohnzimmerkonzert Fürth (12.07.2017)

Vor einigen Wochen machte mich Dirk von Flockes Plattenkiste auf das Geheimkonzert von Eva Croissant in Nürnberg aufmerksam. Begeistert von der Option sogar ein Ticket für meinen 2-Jährigen Sohn buchen zu können, sicherte ich mir sofort zwei Plätze. Da Eva noch Locations suchte, bot ich ihr direkt unser Wohnzimmer an, in dem bereits byebye und Liza&Kay gespielt hatten. Eine Woche später - zwei Wochen vor dem geplanten Konzert - antwortete sie:  

"Ganz lieben Dank für das tolle Angebot! Ich würde sehr gerne am 12.7. bei euch spielen. Wollen wir das gemeinsam machen?" 

Voller Euphorie sagte ich sofort zu und begann Freunde und Kollegen zu informieren, die teilweise schon auf den vergangenen Konzerten dabei waren. Weiterhin mussten die Getränke für den Abend organisiert werden und einen Tag vorher zerbrach ich mir den Kopf, was ich denn noch für kleine Snacks anbieten könnte. Die letzten Vorbereitungen verschob ich erfolgreich auf den letzten Tag. Genauer gesagt auf den Mittagsschlaf, den mein Sohn natürlich erst zwanzig Minuten vor der Ankunft der ersten Gäste begann. Nicht nur ich fragte mich an diesem Nachmittag, warum ich mir das bloß wieder antat. Die Antwort sollte nicht lange auf sich warten...

Während sich die Wohnung zunächst mit den Krippenfreunden unseres Sohnes füllte, konnte ich langsam durchatmen: Mein Herz ging auf bei all dem Leben, das sich nun durch unsere Wohnung zog. Wenn es nun chaotisch werden würde, könnte man alles beherzt auf die Kinder schieben. Nein, in erster Linie war die Idee, dass die Kinder sich zunächst in Ruhe an die neue Umgebung gewöhnen könnten, bevor noch so viele unbekannte Menschen die Wohnung stürmen würden. Und so ließen sich die Kinder die Nudeln auf der in der Küche ausgebreiteten Picknickdecke schmecken, während Eva mit ihrer Cellisten Lotte (Charlotte Jeschke) ankam und mit dem Aufbau begann.

Ab halb sieben trudelten dann alle anderen Gäste - insgesamt 30 - langsam ein. Darunter waren acht Personen, die sich über Evas Website für das Konzert angemeldet hatten, und mir somit gänzlich unbekannt waren. Allesamt waren sie mir sympathisch, besonders stach der Familienvater heraus, der mich direkt zur Begrüßung beinahe entsetzt fragte: "Was bringt einen dazu wildfremde Leute zu einem Konzert ins eigene Wohnzimmer einzuladen?" Abgesehen davon, dass auch ich mir diese Frage tagsüber leicht überfordert gestellt hatte, war die Antwort sehr einfach:  

"Wir gehen gern auf Konzerte. Mit Kleinkind geht das nur eingeschränkt, also holen wir uns die Künstler einfach nach Hause."

Pünktlich um sieben begann Eva mit dem Konzert. Eine wunderschöne, sanfte Stimme. Leider etwas leise, in diesem kleinen Kreis aber eigentlich völlig ausreichend. Im Laufe des Abends schwankte die Geräuschkulisse zwar aufgrund unserer sehr jungen Gäste, dennoch konnte ich den Liedern weitestgehend folgen. Für mich persönlich waren die fünf wilden Kleinkinder sowieso das Highlight des Abends. Einfach schön zu sehen, wie man Musikgenuss für die Großen mit Spaß für die Kleinen verbinden kann. Zugegeben die fröhlichen Gute-Laune-Lieder von Liza&Kay hätten zu diesem "ganz normalen Wahnsinn" etwas besser gepasst als Eva's gefühlvollen Balladen.

Neben Songs aus Ihrem Album "Du bist nicht irgendwer", spielte Eva uns unter anderem auch drei Lieder vor, die sie noch nicht komplett zu Ende geschrieben hatte. Das Publikum war begeistert und bat Eva, diese bitte alsbald fertig zu schreiben. Lotte begleitete Eva am Cello - nur für ein Lied wechselten die Beiden die Plätze und Eva versuchte sich selbst daran Cello zu spielen, während sie "Schweigen ist Silber" von Philipp Poisel sang. Ich habe zwar nicht viel Ahnung vom Musizieren, aber in meinen Ohren klang das schon sehr professionell. Nach eineinhalb Stunden, inklusive einer kleinen Pause, war der Zauber dann vorbei und die Gäste hatten Gelegenheit, Fotos zu machen, Autogramme zu holen und Eva's Album "Du bist nicht irgendwer" zu kaufen. 

Nach dem Konzert konnte ich es mir nicht nehmen, den Familienvater auf seine Frage zu Beginn anzusprechen: "Und? Könntet ihr es euch jetzt auch in eurem Wohnzimmer vorstellen?" Kopfnickend blickte er zu seiner Frau und beiden Töchtern: "Doch, also jetzt denken wir tatsächlich drüber nach." Diese Reaktion fasst wohl ganz gut zusammen, was für eine Faszination diese besonderen Konzerte auslösen, welch' Zauber sie versprühen. Auch Freunde, die sonst eher Rock mögen, dankten mir noch Wochen nach dem Konzert, und gaben zu, Eva's Lieder rauf und runter zu hören.